Theoretisches

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Einfache Abhandlungen als Überblick über die verschiedenen Themen. Gutals Einstieg in pädagogische Themen, zB für Gruppenleiter.

Gesprächsführung

Gesprächsregeln zu kennen und einzuhalten ist wichtig. Egal, ob man vor einer Gruppe referiert oder mit einer Gruppe disskutiert; es herrschen gewisse Regeln, damit das Gesagte auch beim Empfänger ankommen kann… Im Idealfall sollte man die Gesprächsregeln mit der Gruppe gemeinsam entwickeln, damit die Regeln für jeden verständlich und nachvollziehbar sind. So kann niemand behaupten, die Regeln nicht mitbekommen zu haben und die Jugendlichen stehen so in derVerantwortung sich an die Vereinbarungen zu halten.


Gesprächsregeln für Gruppenleiter

1. Angenehme Gesprächsatmosphäre schaffen

  • man muss nicht immer alles ausdisskutieren
  • verpflichtende Gespräche sind nicht ergiebig
  • Gruppenleiter muss den Teilnehmern Sicherheit geben, dass sie im Notfall von ihm “beschützt” werden, falls sie mir ihrer Aussage jemandem auf die Füße treten

2. Blickkontakt halten

  • man nimmt die Teilnehmer wahr und damit auch ernst
  • so kann man als Gruppenleiter schnell auf Fehlverhalten reagieren
  • man kann erkennen, ob die Gruppe verstanden hat, worüber gesprochen wird
  • auch durch Blickkontakt kann man einige Teilnehmer “verwarnen”, ohne sie vor der Gruppe bloß zu stellen

3. Teilnehmer persönlich ansprechen

  • “Seid mal still da drüben” wirkt nicht so gut wie “Peter und Sonja: haltet jetzt endlich den Mund!”
  • dies ist ein Mittel auch die ruhigeren Personen anzusprechen, z.B. “Kerstin, was hältst du denn davon?”
  • Inhalte ordnen und sortieren
  • nach dreißig Minuten Diskussion sind oft so viele Vorschläge im Raum, dass es völlig unübersichtlich ist. Der Gruppenleiter hat die Aufgabe, die Inhalte zu ordnen und z.B. für eine Abstimmung vorzubereiten (evtl. Stichworte  mitschreiben!)
  • es gibt Teilnehmer, die eine viertel Stunde referieren, aber nur eine wichtige Erkenntnis in diesen Redeschwall einbauen. Diesen sollte der Gruppenleiter herausfiltern und noch einmal wiederholen

4. Zeitlichen Rahmen festlegen und einhalten

  • Nichts ist schlimmer, als genannter Teilnehmer von Punkt 4. Sie reden und reden, ohne wirklich auf den Punkt zu kommen (nebenbei: es soll auch Gruppenleiter mit solchen Eigenschaften geben *grins*) – bei solchen Menschen hilft nur ein zeitlich strukturierter Rahmen. Dort muss nämlich eine Vorauswahl der zu besprechenden Themen durchgeführt werden. Bei z.B. einer maximalen Redezeit von 2 Min. pro Person, muss der wichtige Inhalt eingebaut werden und das Drumherum verschwindet.
  • Vorher mit der Gruppe das Thema und den zeitlichen Rahmen klar definieren: z.B. “Was möchtet Ihr in der nächsten Gruppenstunde unternehmen und machen? Dazu haben wir jetzt 15 min. Zeit, bevor wir eine Entscheidung treffen!”
  • Mit dieser Methode ist der Gruppenleiter auch verpflichtet, zu lange Redner zu unterbrechen und den ständigen Blick auf die Uhr zu haben, ohne dabei vom Geschehen abgelenkt zu sein.

5. Den gleichen Informationsstand schaffen

  • Es kommt immer mal wieder vor, dass einige Teilnehmer z.B. an den letzten Gruppenstunden nicht teilnehmen konnten. Sie müssen erst einmal über das momentane Gesprächsthema und bereits gefällte Entscheidungen aufgeklärt werden, damit sie mitreden können.
  • Bei z.B. politischen Diskussionen oder thematischen Bearbeitungen sollte der Gruppenleiter immer eine allgemeine Einführung in das Thema bereithalten.

6. Klar und deutlich sprechen

  • erklärt sich von selbst
  • dies kann man auch ohne Zuschauer üben
  • laut genug sprechen, ohne die Gruppe dabei anzuschreien

7. Platz für Nachfragen schaffen

  • “…und wer nicht fragt, bleibt dumm” – immer mal wieder fragen, ob alles verstanden wurde

8. ”GOOFY”

  • Einige Menschen neigen in Diskussionen dazu, ihren gesamten Fremdwörterschatz in einen Satz zu verbauen “So ein introvertierter, progressiver Aggressor wie du, kann nur als ursurpatischer Diktator enden” —- hä????
  • Legt gemeinsam mit der Gruppe einebnen Ausruf, wie z.B. “GOOFY” fest. Jeder kann ihn jederzeit in den Raum rufen, falls er ein Wort nicht verstanden hat. Der Sprecher muss dieses Fremdwort nun so übersetzten, damit alle etwas damit anfangen können.

9. Kritik fair, positiv und konstruktiv verpacken

  • nicht immer arbeitet die Gruppe so mit, wie es der Gruppenleiter erwartet
  • dies hat oft Hintergründe und nichts mit der eigenen Person zu tun
  • sollte der Gruppenleiter seine “Meute” kritisieren müssen, so formuliert er dies fair, sachlich und konstruktiv.
  • Er schildert klar, was im Moment schief läuft, stellt vor, welche Vorgehensweise er erwartet und zeigt Möglichkeiten auf, wie diese erreicht werden können.

10. Klare, gemeinsame Absprachen treffen!

  • das kennt jeder: “WIR räumen gleich die Küche auf” – klappt einfach nicht…
  • “Ihr da hinten seid für die Klo´s zuständig”…
  • Immer deutlich aussprechen WER für WAS zuständig ist, z.B. “Petra, Klaus und Sandra holen Holz, während die Schmidts und Müllers abwaschen”

Gesprächsregeln für die Gruppe

!!! sollten gemeinsam erarbeitet und verabschiedet werden !!!

Einer redet die anderen hören zu!

  • Seitengespräche vermeiden
  • Nichts ist schlimmer als die Klatschtanten, die in ihrer Ecke herumtuscheln und niemanden an ihrem Gespräch teilhaben lassen. Geschweige denn sind sie in der Lage dem aktuellen Ablauf des Geschehens zu folgen. Bittet die “Störenfriede” einfach ihre Beiträge der ganzen Gruppe zur Verfügung zu stellen oder ihre Gespräche später weiterzuführen. Macht diesen Leuten auch klar, dass diese Nebengespräche verunsichern.

Spreche per “Ich”, nicht per “man” oder “wir”

  • die eigene Meinung zählt ! Hinter dem leidigen “wir” versteckt sich der einzelne, da er sich durch seine Aussage evtl. einer Nachfrage stellen muss

Was in der Gruppe besprochen wird, ist vertraulich!

  • so entsteht die Möglichkeit, auch über Probleme zu sprechen, ohne Angst zu haben, dass am nächsten Tag die ganze Schule Bescheid weiß!

Jeder hat das Recht auf seine Meinung und “NEIN” zu sagen

  • Möglichst beim Thema bleiben
  • … ist dies nicht möglich, hat jeder das Recht nach einer Pause zu fragen

Für alle verständlich reden (siehe auch: GOOFY)

  • Keine Fremdworte nutzen, deren Bedeutung nicht allen klar ist

Mit den anderen reden, nicht über sie!

  • In einer Gruppe ist nicht immer nur Sonnenschein – auch Streitereien sind normal
  • äußere Deine Kritik immer an die betreffende Person und lästere nicht hinter ihrem Rücken über sie!

Verallgemeinerungen und Klischees vermeiden

  • “Ihr Frauen seid doch alle gleich!” – “Was soll man von Katholiken auch schon anderes erwarten?” o.ä. bringt nur Ärger und schlechte Laune und ist überhaupt nicht konstruktiv

Das höchste Ziel einer Diskussion ist ein Ergebnis, mit dem alle leben können

  • in allen Dingen ist der Konsens anzustreben!!!

Spielepädagogik

Warum ist Spielen wichtig (ZIELE)

  • Gemeinschaftsgefühl herstellen
  • (gemeinsam) etwas erleben
  • Kommunikation und Interaktion
  • sich und andere kennen lernen
  • Phantasie & Kreativität fördern
  • Integration von „Außenseitern“
  • Zeit sinnvoll “totschlagen”
  • Spaß und Freude vermitteln und erleben
  • gewinnen und verlieren lernen
  • Entspannung und Spannung
  • Sozialverhalten lernen
  • Motorik schulen
  • Action
  • eigene und fremde Stärken und Schwächen erkennen
  • Energie / Gruppe “in Wallung” bringen
  • Zusammenhalt symbolisieren
  • lernen, sich an Regeln halten
  • Gruppe aufmerksam machen
  • Gruppe beruhigen / müde machen

Zehn Gebote für gute Spielleiter

  • Spiele selber gern, viel und habe Mut bei der Veränderung von Spielregeln, denn sie sind nur zur Orientierung da.
  • Spiele mit den Worten: Nichts ist unmöglich!!!
  • Spiele, wenn es möglich ist, immer mit. Es ist nicht gerade motivierend für die Spieler, wenn sie den Leiter gähnend auf der anderen Seite des Raumes wiederentdecken.
  • Sei Dir der Spielregeln 100% sicher und habe alle Materialien bereit, lies die Anleitung lieber 3 x anstatt sie während der Einführung vorzulesen! Besser noch: spiele jedes Spiel probeweise einmal durch, um nach Schwachpunkten zu suchen, die noch verbessert werden müssen.
  • Schaffe eine vertrauensvolle und den Spielen angepasste Atmosphäre. Erhelle oder verdunkelte Räume, entsprechende Musik oder Effekte, Gerüche… lassen eine Stimmung aufkommen, die für manche Spiele unerlässlich ist.
  • In der Planung stimme die Spiele auf die Gruppe ab, nicht die Gruppe auf die Spiele. Beachte das Alter, die Anzahl, aber auch die Vorlieben, Hobbys,… deiner Teilnehmer. Sind sie eher schwer zu bändigen oder gar nicht aus dem Tiefschlaf herauszuholen???
  • Handele spontan, aber sicher auf Spielverweigerung und Spielunlust. Dies sind oft Unsicherheiten der Spieler. Biete ihnen an, die ersten Runden zuzusehen und später einzusteigen, um ihnen die Angst zu nehmen.
  • Lasse Dir dabei trotz allem nicht die Fäden aus der Hand nehmen. DU bist Spielleiter, auch wenn die Teilnehmer “das Spiel gaaaaaanz anders” kennen. Lege dann lieber eine zweite, zusätzliche Runde mit den anderen Regeln ein.
  • Erkläre das Spiel möglichst kurz, aber präzise. Spiele lieber eine Proberunde oder einzelne Vorgänge in Zeitlupe vor, als “zuerst müsst ihr… danach kommt dann… und am Schluss… “
  • Baue Spannung auf, verpacke die Spielregeln (oder besser noch: mehrere Spiele) in eine Geschichte. Bleibe aber niemals im Stuhlkreis sitzen und “so, wir machen jetzt ´n Spiel…”…

Spielkategorien

… gibt es viele und in jedem Buch werden Spiele anders sortiert… Ich finde, sechs Sparten reichen aus, um einigermaßen sinnvoll Spiele zu ordnen:

  • Kennenlernspiele
  • Actionspiele
  • Wahrnehmungsspiele
  • Kooperative Spiele
  • Darstellungsspiele
  • Vertrauensspiele
  • Sprachspiele
  • Denkspiele

Übersicht

In der folgenden Tabelle versuche ich einen kleinen Überblick zu geben, wie diese Spiele sinnvoll eingesetzt werden können. Dazu arbeite ich mit vier Schlagwörtern:

WANN In welcher Phase der Gruppe sind diese Spiele angebracht?
WIE muss ich als Spielleiter in das Geschehen eingreifen. Gibt es bei dieser Spielkategorie etwas Besonderes zu beachten???
WARUM Welche Ziele erreiche ich mit diesem Spiel???
WO spielt man das am Besten?

Geschlechtsspezifische Jugendarbeit

Wer kennt das nicht aus der Gruppenarbeit: die Jungen spacken und toben, während die Mädchen in Ruhe basteln wollen. Oder die Mädels zicken herum, weil sie sich nicht schmutzig machen wollen, während die Jungs lustig durch den Wald toben.

All dies hat seine Gründe und trotzdem gibt es Tricks und Kniffe, damit alle ihren Spaß an gemeinsamen Aktionen haben.


Was ist geschlechtsspezifische Jugendarbeit?

Begründung für Jungen-/Mädchenarbeit

SGB 8 §9 (3): “Bei der Ausgestaltung der Leistungen und der Erfüllung der Aufgaben sind die unterschiedlichen Lebenslagen von Jungen und Mädchen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern.”

Fakten:

  • bis zum 6 / 7 Lebensjahr ist das Geschlecht des Spielpartners noch völlig egal
  • später heißt es “ih Jungs” “ih, Mädchen”
  • in der Pubertät entwickeln sich Kinder zu „prollende Paschas“ und „kichernden Hühnern“
  • in dieser Zeit merken Jungen auch, dass sie Mädchen körperlich überlegen sind
  • Mädchen bemerken dagegen häufig, dass sie den Jungen sprachlich (kommunikativ) überlegen sind
  • ab 11/12 Jahren merken insb. die Mädchen, daß ihr Körper und ihr Inneres sich verändert, die Jungen merken dies es später
  • insgesamt muss klar sein, daß es nicht “den Jugendlichen” und “das Kind” gibt, sondern, daß es sich immer um verschiedene Individuen handelt (auch geschlechterunterschiedliche Individuen)
  • In Gruppen (auch in Schule etc.) herrscht große Dominanz der Jungen (durch hohe Lautstärke, Auffälligkeiten in der Gruppe (Kaspern, etc)

Die Einteilung in Geschlechter ist der einschneidenste gesellschaftliche Unterschied der Menschen. Somit muss sich jeder Mensch mit seinem Geschlecht und seiner Rolle in der Gesellschaft abfinden.Dieser Prozeß dauert sehr lange, die Forschung meint dazu, daß der Prozeß der Identifikation mit dem eigenen Geschlecht teilweise auch noch nicht mit 25 Lebensjahren abgeschlossen ist. Für die Jugendarbeit stellt sich somit folgende Problematik: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich mit den Rollenbildern vertraut machen, und ihre eigene, gefestigte Position zu ihrer Geschlechtsrolle haben (oder in der Vorbereitungsphase finden).

 

Ziele von Jungen-/Mädchenarbeit

Das Ziel einer geschlechtsspezifischen Jugendarbeit kann und darf nicht die Trennung der Geschlechter sein. Auch für die Jugendarbeit muß eine möglichst beste „Förderung“ beider Geschlechter angestrebt werden. Gemischtgeschlechtliche Jugendgruppen sollen attraktive Angebote für Mädchen und Jungen haben. Das gemeinsame Tun ist wichtig, es darf aber nicht auf Kosten eines Geschlechtes durchgesetzt werden. In einigen Programmpunkten kann es auch nötig werden, gleichgeschlechtliche Kleingruppen einzurichten, damit ein Geschlecht speziell „gefördert“ werden kann (z.B. Gesprächsgruppen über Freundschaft o.ä.). Ferner ist es die Aufgabe einer/s guten MitarbeiterIn, Probleme z.B. im Gesprächsverhalten innerhalb gemischtgeschlechtlicher Gruppen zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Die Jugendlichen sollen merken, dass sie z.B. in der verwirrenden Phase der Pubertät, nicht alleine dastehen und, dass andere Jugendlichen die gleichen Probleme haben und sie miteinander gelöst werden können.

 


Mädchenarbeit

Verhalten von Mädchen in Gruppen

  • Ihre traditionellen Spiele sind kooperativ strukturiert, so dass der Erfolg der einen Mitspielerin nicht unbedingt den Mißerfolg der anderen bedeutet & Gewinnen und verlieren spielt keine Rolle.
  • Es sind kein hierarchischen Spiele, es gibt keine Anführerinnen.
  • Mädchen spielen meist in Paaren oder kleineren Gruppen. Im Mittelpunkt der Spiele steht ein gemeinsames Tun. Mädchen definieren sich über Nähe zu anderen (z.B. die besten Freundinnen)
  • Mädchen akzeptieren eher ruhiger Gruppenstundeninhalte, wie Basteln oder Diskussionsrunden.
  • Die Sprache der Mädchen sind dialogisch orientiert („laßt uns“, „wollen wir nicht“), dies bedeutet, daß ein gemeinsamer Beschluß angestrebt wird, es ist ein Versuch Kompromisse zu finden.
  • Mädchenbeziehungen gründen sich sehr viel mehr als bei Jungen auf Gespräche. Sie haben keine Probleme, über sich selbst, ihre Freunde und Freundinnen und ihre Beziehungen zu sprechen.
  • Problem: Mädchenbeziehungen gründen auf Übereinstimmung und Gemeinsamkeit. Dieses Gleichheitsprinzip bringt dann Probleme mit sich, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten kommt.
  • Mädchen setzen selten Dominanz noch Aggressivität ein, weil sie dadurch das Gleichheitsprinzip untereinander gefährdet.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Konflikte unentdeckt bleiben, ist bei Mädchen größer. Sie reden eher „hinter dem Rücken“ und vermeiden die offene Auseinandersetzung.

Problemfelder

  • Mädchen werden immer noch weniger stark gefördert als Jungen (mit dem Hintergedanken, wenn aus ihr nichts wird, kann sie ja immer noch heiraten und wird so versorgt)
  • Eltern mischen sich in die Freizeitgestaltung von Mädchen immer noch mehr ein, als bei Jungen (Ausgehzeiten, Disko, Fahrrad fahren) – sie haben mehr Angst vor sexuellen und gewalttätigen Übergriffen, als bei Söhnen
  • Folge: Mädchen sind in der Öffentlichkeit weniger zu finden, als Jungen (eher mit Freundinnen zu Hause)
  • in der früheren Kindheit haben Mädchen weniger Freiheiten zu räumlichen Erkundungen (es kann sich ja weh tun oder ihr kann etwas passieren)
  • Mädchen werden von Kindheit an eher dazu erzogen, daß sie Rücksicht nehmen und sich sozial verhalten
  • Mädchen bleiben länger unter der sozialen Kontrolle der Eltern

gesellschaftlich gesehen:

  • Mädchen orientieren sich schnell am Schönheitswahn der Medien (Gewalt und Antipathie gegen den eigenen Körper -> Bulimie etc.)
  • Sie erleben die Frau häufig als Sexualobjekt im Fernsehen und Medien
  • Ihnen wird früh die Gefahr von Gewaltandrohung oder sexuellen Übergriffen klargemacht.
  • Beruflich erleben sie die Nichtanerkennung von Haus- und Frauenarbeit

Inhalte (was brauchen Mädchen?)

  • PädagogIN, GruppenleiterIN
  • feste Gruppe
  • eigenen Raum (als Schutzraum für eigene Erfahrungen)
  • Die Möglichkeit neue Fähigkeiten zu entdecken und zu fördern (auch “mädchenfremde”, z.B. Fuß- Basketball, Mofa fahren, sich dreckig machen…)
  • Vertrauensatmosphäre: Möglichkeit, Fragen zu fragen, die man Eltern nicht fragt, offenen Erfahrungsaustausch
  • Förderung der Körperwahrnehmung (auch mal raufen, Grenzern kennenlernen… NEIN sagen… sie alleine bestimmen über ihren Körper)
  • Erfahren, daß andere Mädchen in ihrem Alter dieselben Probleme haben
  • Förderung des Selbstbewusstseins – die Entwicklung einer ICH-Identität
  • Mut, Durchsetzungsvermögen entwickeln (auch mal nicht sozial sein müssen, sondern die eigenen Interessen zu verwirklichen)

 


Jungenarbeit

Verhalten von Jungen in Gruppen

Jungen spielen eher in größeren, hierarchisch orientieren Gruppen. Es gibt meist einen dominanten Anführer. Die Jungen die lassen sich untereinander ihre Unterlegenheit spüren.

  • Die Hierarchie kann sich auch verändern (z.B. in Spielen, in verschiedenen Rollen z.B.als Clown). Somit lehrt jeder Junge mit herber Kritik umzugehen.
  • Jungen lernen, sich in dieser Struktur in den Mittelpunkt zu stellen. Sie gehen dadurch nicht unter.
  • Sie lernen, sich mit Sprache in den Mittelpunkt zu stellen (Gags, Geschichten erzählen usw.).
  • In der Regel wissen Jungen genau, wie sie sich in der Sprecher bzw. Zuhörerrolle zu verhalten haben.
  • Die Jungen wissen, daß die Kommentare aus dem Publikum (z.B. auf ein Stichwort „dick“ kommt aus dem Publikum „selber fett“), nicht vordergründig auf sie selbst gerichtet sind, sondern eher um den Zwischenrufer selbst in den Mittelpunkt des Geschehen zu stellen.
  • Bei Jungen geht es „heftiger“ zu. Streitereien sind für Jungen teilweise sogar eine Form der Kontaktaufnahme, verbale Ausfälle werden in Jungengruppe als normal angesehen.
  • Jungen versuchen ständig ihre Hierarchiestufe durch Streitereien auszuloten.
  • Jungen scheuen sich nicht davor, Befehle zu geben („Wir spielen jetzt das!“).
  • Sportliche Jungen stehen in der Regel in der Hierarchie oben, unsportliche, unattraktivere Jungen werden meist auf die hinteren Plätze verwiesen, was stark an dem Selbstbewußtsein der JungenJungenarbeit kratzen kann.
  • Themen, über die mit Mädchen einfach zu diskutieren ist (z.B. Glaube, Liebe, Freundschaft) sind Jungen eher peinlich. Ihre Verletzlichkeit kann dabei offen zu Tage treten, und es besteht für ihre Prägung die Gefahr, daß dies von den anderen Jungen für Rangstreitigkeiten ausgenutzt werden kann.
  • Jungen untereinander reden normalerweise nicht über Emotionales, Gefühle, Persönliches, eben weil sie dadurch angreifbar werden.
  • Probleme: Das Schweigen über die eigenen Probleme ist das Defizit der Jungen. Probleme werden nicht so offen wie in Mädchenfreundschaften diskutiert. Es gibt auch keine engen Jungenfreundschaft wie bei Mädchen.

Problemfelder

  • an Problemen wie “Jugendkriminalität” und “Gewalt an der Schule” sind in erster Linie Jungen beteiligt
  • Jungen werden bis zum 12. Lebensjahr zu 80% von Frauen erzogen (KiGa, Grundschule, Mutter,…)
  • sie kennen häufig den Vater nicht, leben von ihm getrennt und somit fehlt eine positive Identifikationsfigur.
  • sie erleben, daß sie den Mädchen gegenüber kräftemäßig überlegen sind
  • sie sehen im Fernsehen mehr nackte Frauen als nackte Männer (die Frau als Sexualobjekt für den Mann)
  • sie bestimmen in der Schule das Unterrichtsgeschehen, sind lauter und offensiver
  • lernen, daß sich Männer prügeln, aber niemals weinen (lernen von Kind auf an Gefühle zu unterdrücken)
  • sie werden von der Mutter getröstet, vom Vater ermutigt
  • sie sehen fast nur männliche Helden in den Medien (Lara Croft als Ausnahme)

gesellschaftlich gesehen:

  • durch Emanzipation der Frau erleben die Jungen eine Gefahr für die Rollenhierarchie
  • die erfolgsorientierte Gesellschaft stellt neue Leistungsanforderungen: nicht mehr Körperkraft wird gesucht, sondern Teamgeist, Flexibilität und Lernbereitschaft (das macht Frauen zu Konkurrenten)
  • die Rolle des Ernährers geht verloren (durch Lohnanpassung von Frauen, Arbeitslosigkeit, eigenes Einkommen der Frau)
  • Männer gehen zu leichtfertig mit ihrem Körper um, ihnen fehlt die Beobachtungsgabe, Signale aus sich heraus wahrzunehmen (wenn Krankheit auftritt: absolute Hilflosigkeit, Selbstmitleid und jammern)

Inhalte (Was brauchen Jungen?)

  • PädagonE, GruppenleitER
  • Sie müssen auch „rumspacken“ dürfen. In der Pubertät erlebt der Körper einen 30fachen Testosteronausstoß – der Speichelfluss ist erhöht (ausspucken von Speichel) und auch die Sprache wird sexualisiert. Dies ist eine Reaktion auf die biologischen Vorgänge des Körpers.
  • die Jungen brauchen Freiheit & Bewegung (dies sollte in der Planung von Gruppenaktivitäten unbedingt berücksichtigt werden)
  • sie brauchen „Rivalität und Kämpfe“ – Spiele und Aktionen, bei denen es Gewinner und Verlierer gibt
  • Eine „Bande“ – eine Gruppe mit klaren Rollen und Strukturen. Sie geben Sicherheit und festigen die eigene Identität.
  • „Rituale“ – als Zeichen der “klaren Linie”. Immer wiederkehrende Strukturen bieten Orientierung
  • Vorbilder – Männer, die ein positives Rollenbild vorleben
  • Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtsrolle (insb. Grenzen + Konsequenzen kennenlernen)
  • Erweiterung des Erlebnis- und Verhaltensreportoire. Da sie bis zur Pubertät zum größten Teil von Frauen erzogen werden, wissen sie was „weiblich“ ist. Um „männlich“ zu werden, tun sie eben genau das Gegenteil von dem, was sie von ihrer Mutter kennen, weil männliche Identifikationsfiguren fehlen.
  • sie müssen lernen, Ursachen von Grenzsetzungen zu verstehen (sich “ergeben”, Verständnis zeigen, Konsequenzen tragen lernen)
  • Jungen müssen lernen, daß man Anerkennung und Macht nicht nur über Aggression & Gewalt bekommt
  • Sie müssen Vertrauen lernen und erkennen, dass es gut ist, über Probleme zu sprechen und Wünsche zu äußern
  • Vertrauen, um neue Konfliktlösungsstrategien entwickeln

Leitungsstile

Im Vorfeld bitte ich zu entschuldigen, dass der Text ausschließlich in männlicher Sprachform verfasst wurde. Ich möchte natürlich auch alle weiblichen GruppenleiterInnen und TeilnehmerInnen mitverstanden wissen.

Wie man mit einer Gruppe arbeitet hängt sicherlich ganz stark mit der eigenen Persönlichkeitsentwicklung und eigenen Erfahrungen zusammen. Trotzdem gibt es verschiedene Herangehensweisen an die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Alle haben Vor- und Nachteile. Jeder Gruppenleiter wird im Laufe der Zeit seinen eigenen Stil entwickeln, um mit Gruppen zu arbeiten. Grundsätzlich kann man die Leitungsstile grob in drei Kategorien unterteilen (es gibt allerdings jede Menge Mischformen und Nuancen).

Autoritäre Leitungsstil
Lässiger Stil / „laissez-faire“
Demokratischer / partnerschaftlicher Stil


 

Autoritärer Leitungsstil:

Der Gruppenleiter lässt immer erkennen, dass er der Boss ist. Er ist der Alleinherrscher und bestimmt über alle Inhalte einer Gruppenstunde. Er informiert die Teilnehmer nur über den nächsten Programmpunkt und nicht darüber hinaus über das „wie“ und „warum“. Die meisten Inhalte gestaltet er nach seinen Interessen und Fähigkeiten. Denn er darf sich nicht blamieren, indem er etwas nicht kann – das würde seine Unantastbarkeit in Frage stellen.

Autoritärer StilDer autoritäre Gruppenleiter teilt bei Spielen die Mannschaften ein und verteilt einzelne Aufgaben. Er hat grundsätzlich immer das letzte Wort und diskutiert wird sowieso nicht. Er fällt alle Entscheidungen ohne Begründungen dafür zu geben. Seinen Führungsstil erkennt man daran, dass er Anordnungen und Befehle ausspricht. Er kontrolliert die Teilnehmer strikt und straft teilweise sehr hart (auch körperlich).

Als Folge dieses Verhaltens buhlen alle Teilnehmer um die Gunst des Leiters und kümmern sich nicht umeinander. Die Beziehungen der Teilnehmer untereinander sind eher von Konkurrenz und Aggression geprägt. Die schwächeren Teilnehmer ziehen sich noch mehr zurück und schwierige Gruppenmitglieder werden vom Leiter ausgeschaltet. Die Teilnehmer reagieren mit absolutem Gehorsam und Disziplin, oft aus Angst vor Bestrafung oder Demütigung. Initiative, Kreativität und Selbstbestimmung sind in autoritär geführten Gruppen nicht vorhanden (und auch nicht geduldet).

Das Ziel des autoritären Leiter ist es, eine Elitetruppe zu schaffen, die einwandfrei funktioniert. Sie soll sein Aushängeschild sein über dass er sich seine Genugtuung holt.

Vorteile des autoritären Stiles:

  • Der GL hat eine gute Kontrolle und Übersicht über die Gruppe.
  • Das geplante Programm kann ungestört durchgeführt werden.
  • Es werden keine zeitintensiven Diskussionen geführt.
  • Die Teilnehmer haben eine klare Struktur und Orientierung – sie wissen, was sie zu tun haben.
  • Feste Regeln geben Sicherheit (wenn sie einen Sinn ergeben).
  • Ruhe und Disziplin in der Gruppe

Nachteile des autoritären Stiles:

  • Die TN können keine eigene Meinung entwickeln.
  • Sie lernen nicht, ihre eigenen Ideen vorzutragen.
  • Lustlosigkeit und Passivität, weil man ja eh nichts ändern kann.
  • Es entwickelt sich kein Vertrauen zum Gruppenleiter und untereinander.
  • Die TN können kein Selbstbewusstsein aufbauen
  • Es besteht eine starke Hierarchie – keine Chance für Außenseiter.
  • Die Kritikfähigkeit wird unterdrückt.
  • Es besteht ein absoluter Gruppenzwang.
  • Keine Entwicklung von Eigenverantwortung und Mitbestimmung

 

Lässiger Stil / „laissez-faire“

Der Gruppenleiter der den lässigen Stil verfolgt tut eigentlich so, als sei er ein TAntiautoritärer Stileilnehmer der Gruppe oder als wäre er gar nicht anwesend. Ihm ist alles egal und die Gruppe kann machen, was sie will. Die Teilnehmer nehmen den Leiter kaum wahr und erst recht nicht ernst. Er greift in keiner Situation aktiv in das Gruppengeschehen ein, sondern lässt sich „mitschleifen“. Die Gruppe wird mit dem „Alleinsein“ oft nicht fertig, es passiert nichts und es bilden sich zusätzlich noch kleine Cliquen und Grüppchen, die gemeinsam die Zeit verbringen. Die Starken in der Gruppe geben den Ton an und greifen auch zu unfairen Mitteln, um ihre Stellung zu untermauern. Der Gruppenleiter sieht dabei zu, würde aber niemals in einen Konflikt eingreifen (das wäre ja viel zu anstrengend).

Der „lässige Gruppenleiter“ vertritt die Ansicht, dass die Teilnehmer durch seine Leitung dazu gefordert werden, aktiv und selbstbestimmt zu agieren und somit Selbstständigkeit und –bestimmung erlernen könnte. Dies ist aber meistens nicht der Fall. Die Teilnehmer suchen eine Identifikationsfigur, an der sie sich orientieren und der klare Regeln des Zusammenlebens aufstellt und vorlebt – leider finden sie ihn in solch einer Konstellation nicht. Sie sind frustriert, desorientiert und werden handlungsunfähig. Ein „Wir-Gefühl“ wird es in einer lässig geführten Gruppe nie geben.

Die eigentlichen Gründe für das gleichgültige Verhalten des Gruppenleiters sind häufig Desinteresse oder sogar Abneigung gegen die Gruppe / Arbeit.

Vorteile:

  • Die Teilnehmer lernen Entscheidungsfreiheit kennen.
  • Für den Gruppenleiter ist der Stil sehr entlastend, denn er braucht sich nicht auf eine Gruppenstunde vorbereiten.
  • In manchen Situationen lernen die TN Selbständigkeit
  • Es gibt viele Freiheiten etwas zu tun.
  • Es entsteht ein eigenes soziales Gefüge.
  • Als Leiter ist man häufig sehr beliebt.

Nachteile:

  • Die Teilnehmer lernen keine Grenzen kennen
  • Die Starken regieren die Schwachen.
  • Es gibt unzufriedene Minderheiten.
  • Es kann zum Missbrauch von Gesetzen kommen (z.B. Alkohol, Rauchen, etc.)
  • Der Leiter wird nicht ernst genommen.
  • Es kann kein Gruppengefühl entstehen.
  • Hohe Gefahr der Verletzung der Aufsichtspflicht.
  • Schwächere bleiben auf der Strecke.
  • Die Gruppe spaltet sich auf.

 

Demokratischer / partnerschaftlicher Stil:

Der Leiter arbeitet bewusst mit der Gruppe. Er erkennt die Fähigkeiten der einzelnen Charaktere und kann diese fördern und fordern. Er übergibt einen Teil der Verantwortung an die Gruppe und bindet sie in Entscheidungsprozesse aktiv ein. Er unterstützt die Ideen von einzelnen und will der Gruppe helfen, Gruppe zu sein (zu werden) und ihre Ziele zu erreichen. Auf den Weg dahin gibt er Lösungsmöglichkeiten und neue Perspektiven, die mit der Gruppe gemeinsam besprochen werden. Entscheidungen werden immer mit allen getroffen. Er ist Berater, Trainer, Helfer, Vermittler. Er stärkt die Schwachen und bremst auch die Starken einmal aus. Er versucht in der Gruppe eine Eigendynamik zu entwickeln, so dass er sich im weiteren Verlauf mehr und mehr aus den Prozessen herausziehen kann. Er nimmt soviel teil wie nötig und so wenig wie möglich. Er möchte, dass die Gruppe auch dann gut läuft, wenn er einmal nicht zugegen sein kann. Er weiß Gruppenleistungen eher zu schätzen, als Einzelleistungen.

Sein Grundprinzip ist Fairness und Sicherheit. Es gibt klare Regeln, die zusammen erarbeitet wurden und an die sich alle halten.

Vorteile:

  • Die Teilnehmer erlernen Eigenständigkeit und Verbindlichkeit.
  • Sie arbeiten an ihrer Kompromissfähigkeit.
  • Es entstehen Motivation und abwechslungsreiche Ideen.
  • Die Teilnehmer haben großes Vertrauen zum Gruppenleiter und wenden sich auch bei privaten Problemen an ihn.
  • Verbote sind klar nachvollziehbar.
  • Es entsteht Meinungsfreiheit und –bildung.
  • Gleichberechtigung aller Gruppenmitglieder.
  • Außenseiter gibt es nicht, alle Gruppenmitglieder sind gleich wertvoll.
  • Jedem Teilnehmer werden seine Stärken und Fähigkeiten verdeutlicht.

Nachteile:

  • Dieser Führungsstil ist der zeitaufwendigste für Gruppenleiter, da er viele Diskussionen mit der Gruppe führt.
  • In schwierigen Situationen ist der Führungsstil ineffizient, bzw. sogar gefährlich. Z.B. müssen in die Teilnehmer in Gefahrensituationen einfach den Anweisungen des Leiters folgen, ohne diese zu hinterfragen.
  • Er muss sehr spontan sein, damit er sich auf Ideen und Situationen einlassen kann.
  • Der Führungsstil ist sehr altersabhängig, jüngeren Kindern kann solch eine Verantwortung für die andern nur in kleineren Maßen abverlangt werden.
  • Es gibt keine optimalen Lösungen, sondern es gibt häufig nur Kompromisse.
  • Zu viele Diskussionen können langweilig werden.
  • Es erfordert eine sensible Beobachtungsgabe des Gruppenleiters, versteckte Konflikte zu entdecken oder Interessen zu erspüren.

Erlebnispädagogik

Definition

Wesentliche Bestimmungsmerkmale für die Erlebnispädagogik liegen in der Orientierung von Lernen und Entwicklung in und am Leben, an Individualität und Ganzheitlichkeit (Körper, Geist und Seele). Zur Erreichung dieser, werden vor Allem erlebnisgewährende Medien, wie z.B. die Natur, genutzt. Die Grundidee der Erlebnispädagogik ist „Learning by doing“ (Lernen durch Tun / Handeln). Dies bedeutet, dass nicht disskutiert, sondern getan wird. Der Ausgangspunkt für dieses soziale Lernen ist keine Theorie durch Gespräche oder Belehrungen, sondern eine konkrete, gemeinsame Erfahrung in einer Gruppe.

Man will weg von vorgegebenen Lernzielen, den festgelegten und eingeschränkten Gruppennormen, wie wir sie aus vielen anderen Formen pädagogischer Arbeit kennen (z.B. aus dem Kindergarten – hort oder –heim). Die Tagesabläufe sind zu sehr vorgegeben und risiko-ausschließend (Bewahr-Pädagogik). Alles ist geplant, kommt etwas Neues oder ein unvorhergesehenes Ereignis, bringt es das System durcheinander. Das zusätzliche distanzierte, aber beschützende Verhalten des Pädagogen verhindert eine eigenständige und individuelle Entwicklung des Kindes / des Jugendlichen.

Die Bandbreite der Maßnahmen erstreckt sich unendlich weit. Sie beginnen mit erlebnispädagogischen Spielen im Haus und im Freien, geht weiter über Tagesgeländespiele, Wildwasserfahrten, Höhlenexpiditionen oder Reiseprojekte über mehrere Wochen und Monate (z.B. mit dem Dreimastschoner „Thor Heyerdahl“)

 

Ziele der Erlebnispädagogik

In der Erlebnispädagogik geht es vorrangig um konkrete und gemeinsame Erfahrungen in einer Gruppe. Es gibt dabei kein gut oder besser, kein Gewinnen oder Verlieren, sondern das kooperative Verhalten innerhalb des Gruppenverbandes soll gefördert werden. Den Jugendlichen soll klar werden, dass jedes Mitglied die Gruppe trägt und sie mit ihren Fähigkeiten (egal, wo diese liegen mögen) unterstützt. Im Gegensatz dazu wird jedes Mitglied von der Gruppe unterstützt und von ihr gehalten. Jeder ist auf den anderen angewiesen, so dass das soziale Verhalten geschult werden muss, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Dabei spielt die Verantwortung sowohl für sich und seine Entscheidungen, als auch für die anderen Teilnehmer eine große Rolle. Nur wenn einer den anderen (be-)achtet, können Entscheidungsprozesse produktiv ablaufen und Konfliktsituationen glimpflich gelöst werden.

Verantwortung tragen für Etwas, bedeutet auch, die Konsequenzen zu ertragen, denn nicht jede Aktion ist erfolgreich. Und dazu muss die Gruppe und jeder einzelne nun stehen und diese tragen (z.B. die selbstgebaute Hütte bricht ein und lässt Regen durch).

Ein weiterer Aspekt der Erlebnispädagogik ist die Entwicklung eines positiven Körpergefühls. Die Teilnehmer können neue und ungewohnte Bewegungsmöglichkeiten entdecken und dadurch ein besseres und ausführlicheres Bild des eigenen Körpers entwickeln, denn viele Aufgaben verlangen den Einsatz aller Körperteile (z.B. abseilen, klettern,…).

Gerade in der Pubertät, wenn der Körper der Jugendlichen sich verändert und sie nicht wissen, was gerade mit ihnen geschieht, ist so etwas eine große Unterstützung, wenn ihnen dargelegt wird, was sie mit ihrem Körper (Kraft und Ausdauer) alles erreichen können, ihnen also die positiven Seiten klargemacht werden.

Die Aufgaben einer erlebnispädagogischen Aktion sind so gestaltet, dass eine Verbesserung der Selbsteinschätzung möglich ist. Die erfolgreiche Bewältigung einer zunächst für unlösbar gehaltenen Aufgabe, hilft den Jugendlichen, eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entdecken. Dadurch fällt es ihnen leichter, einen Platz in der Gruppe zu finden und diesen einzunehmen. Viele Jugendliche bekommen von ihren Altersgenossen nur negative Zuwendung, indem sie, vielleicht wegen ihres Äußeren, gehänselt oder bloßgestellt werden. Die Jugendlichen glauben mit der Zeit wirklich, dass sie schlechter oder minderwertig sind. Ihr Selbstgefühl sinkt ab. Dadurch, dass Problemlösungen einer erlebnispädagogischen Einheit Kraft und Köpfchen erfordert, können sie ihre Fähigkeiten so einbringen, wie sie der Gruppe helfen werden. Allein die Tatsache, zum Erreichen des Zieles beigetragen zu haben und die Anerkennung der anderen richten das Selbstbewusstsein ein wenig auf.

Eine erlebnispädagogische Aktion ist jedoch nicht immer mit Erfolg gekrönt, auch die Einsicht, dass die Gruppe das Ziel nicht erreicht hat oder das alles schief gelaufen ist, ist eine Erfahrung. Das daraus entstehende Frustrations- und Aggressionspotential soll jedoch reflektiert und aufgegriffen werden. Schließlich muss klar werden, dass jeder Mensch ein Recht auf Frustration und Aggression hat. Zusammen werden neue Wege und Alternativen gesucht, diese zu bewältigen und abzubauen. Aus jeder Frustration soll eine neue Motivation entstehen.

Geschichtliche Entwicklung der Erlebnispädagogik

Als eigentliche Wurzel der Erlebnispädagogik zählt die Bewegung der Landerziehungsheime von Hermann Lietz (1868-1919). Lietz hat damals erkannt, dass das Kind bisher lediglich Objekt der Pädagogik war. Sein ziel war es, das Kind in den Mittelpunkt der Erziehung zu rücken. Ihm sollten die eigenen Bedürfnisse zugestanden werden, die Erziehung sollte „vom Kinde aus“ gehen.
In den zwanziger Jahren gründete Kurt Hahn (1886-1974) die berühmte Salemer Schule. Denn auch er war der Meinung, dass junge Menschen „Verfallserscheinungen“ aufwiesen. Hahn kritisierte unter anderem die „Spektatoris“, die Zuschauerkrankheit, in Verbindung mit fehlender Selbstinitiative. Bedingt sei das durch die immer moderner werdenden Kommunikationsmittel, die dem Menschen einen scheinbar passiven Kontakt ermögliche (z.B. Telefon). Der Verfall körperlicher Tauglichkeit (gefördert durch moderne Fortbewegungsmittel), eine verringerte Geschicklichkeit und Sorgfalt (durch schwächer werdendes Handwerkertum) und vor allem die Unfähigkeit Gefühle für den Nächsten zu entwickeln (durch ständige Hast, Eile und Konkurrenz) waren weitere Anklagepunkte in Hahn´s Kritik.
Er war eher der Auffassung, das Platons Idee der Nachahmung und Übung ein entscheidender Faktor für das Lernen sei. Hahn´s Idealvorstellungen von Erziehung war ein Lernen, dass sich durch konkretes Handeln und praktischen Lebensbezug auszeichnet. Daraufhin stellte er seine Prioritätenliste der Erziehungsaufgaben zusammen:

  • Charakter
  • Intelligenz
  • Wissen

Neben dem Unterricht gab es an der Salemer Schule vier weitere Aktivitäten, deren eigentliche Wirkung nur durch ihre Gegenseitigkeit und ihren Zusammenhang entsteht. Alle vier stehen unter dem gemeinsamen Motiv des Erlebens:

    der Dienst am Nächsten:
er organisierte an seiner Schule eine Schülerfeuerwehr, eine –bergrettung und die Wasserwacht. Rettungsdienste von Schülern für alle, die in Not sin

    das körperliche Training:
Mut, Überwindungskraft und Ausdauer sollte gesteigert werden

    Projektarbeit:
… stellt die Möglichkeit dar, eine Aufgabe in möglichst vielen Bereichen zu bewältigen (z.B. handwerklich, technisch, geistig, musisch,…)

    Organisation von Expeditionen:
Sollte die mangelnde Initiative bekämpfen und die Entschluss- und Überwindungskraft fördern.

Hahn´s Ziel war es, Charaktere zu prägen. Charakterbildung durch die Erziehung zur Verantwortung durch Verantwortung. Diese soll zur Förderung der Demokratie beitragen, in dem junge Menschen befähigt werden, sachlich zu argumentieren, ohne den anderen oder sich selber zu beschuldigen oder zu verleumden.

Didaktische Prinzipien

Eine Richtlinie in allen erlebnispädagogischen Bereichen heißt: „Nicht reden, sondern handeln“. Dem Reden über Erfahrungen sollen unmittelbare Erfahrungen und persönliches Erleben entgegengesetzt werden.
Einen weiteren wichtigen Raum nimmt das Prinzip „Mitgestaltung statt Konsum“ ein. Die Jugendlichen werden aufgefordert, ihre Bedürfnisse zu erkennen, zu planen und umzusetzen.- Ihre Phantasie wird gefordert, denn im Grunde ist alles möglich, wenn die Grundmotivation vorhanden ist.
Der Lernerfolg der Situation / Aktion ist wesentlich höher, wenn Jugendliche (als die Lernenden) der Aufbau dieser systematisch mitverfolgen und mitbestimmen. Die Zusammenhänge sind klar erkennbar und können von ihm nachvollzogen werden (Projektorientierung).
Um den Zielen der Erlebnispädagogik als solches näher zu kommen, muss vor allem die Beziehungsdefinition vom Sozialarbeiter zum Jugendlichen neu geklärt werden. Erlebnispädagogik ermöglicht, ja fordert sogar eine neue Beziehung zwischen Pädagogen und Teilnehmern: der Pädagoge tritt als Gesamtheit „Mensch“ auf, d.h. mit Körper, Geist und Seele. Im gemeinsamen Zusammenleben und Bewältigen einer Situation ist er also Mensch und nicht pädagogischer Funktionär. Er sollte ehre emotional, vom Gefühl her, handeln, anstatt das Gesetzbuch hervorzuholen um Ge- und Verbote auszusprechen. Diese Tatsache führt oft zu einem Leiter- Teilnehmerverhältnis, das den Teamer als hierarchischen Chef hervorhebt.
Auch das Verhältnis von Arbeit und Freizeit muss in der Erlebnispädagogik neu bestimmt werden. Der Alltag hat oftmals einen geregelten Ablauf: aufstehen, Schule/Arbeit, Hobby/Freizeit/Gesellschaft, schlafen,… Für viele Jugendliche trennt der Tagesablauf die zwei Bereiche Beruf und Freizeit in das „Muss“ Schule und den „Spaß“ Freizeit. Erlebnispädagogische Aktionen ermöglichen jedoch ganzheitliche Lebenserfahrungen, z.B. liegen handwerkliche Arbeiten und Spaß, Erlebnis nah beieinander (z.B. beim Bau einer Brücke über einen Fluss oder Hüttenbau).
„Heraus aus der Betonwüste“. Erlebnispädagogik nutzt die Natur vor allem als Medium für Erlebnisse, unbekannte Situationen und auch Gefahren. Sie ermöglicht dadurch Umwelterfahrungen, indem sie unmittelbare sinnliche Erfahrungen mit Natur und Gruppe verbindet. Die Umwelt soll durch die Erlebnispädagogik einen höheren Stellenwert bekommen und sensibel machen für den Schutz der Natur.

Als Pädagoge sollte man immer darauf achten, dass der Erlebnispädagogik keine einfachen Weltbilder oder Ideologien weitergegeben werden. Vielmehr soll durch ein ständiges Reflektieren und Hinterfragen der (Zeit-) Geschehnisse eine ständige Entwicklung des Einzelnen stattfinden, der damit in kleinen Schritten seine individuelle Weltanschauung entwickelt. Diese wird von der Gruppe nicht hinterfragt oder bewertet, da es alleinige und individuelle Sache des Gruppenmitgliedes ist.

Methodische Prinzipien

  • zunächst muss das Ziel, dass man mit einer erlebnispädagogischen Aktion erreichen will, klar verfasst werden
  • dabei muss das Klientel, die Zielgruppe, im Blickfeld bleiben. In welcher Problemsituation stecken sie gerade (z.B. Schüler, Azubis, Jugendliche aus gesellschaftlichen Randgruppen,…)
  • danach bleibt die zeitliche Abmessung der Aktion zu überlegen (z.B. Kurzzeit- oder Langzeitmaßnahme)
  • erst danach können spezifische Programmformen ausgearbeitet werden (z.B. natur-sportliche, künstlerisch-kulturell, technisch,…)
  • je öfter jemand in das Gruppengeschehen eingreift, desto mehr Erfahrungen und Möglichkeiten nimmt er den Teilnehmern. Der Gruppenleiter sollte, sich also nicht als Leiter im Sinne des autoritären Führers verstehen, sondern eher als kompetenten Partner der Teilnehmer, der die Autorität auf Grund seiner Fähigkeiten erwirbt. Sein oberstes Ziel muss es sein, nicht mehr gebraut zu werden. Durch Denkanstöße und kleinere Hilfestellungen soll er die Aktion ins Rollen bringen und sich dann zurücknehmen.
  • Das bedeutet auch, offen zu sein für die Ideen der Gruppe, flexibel genug zu sein, auf die Bedürfnisse einzugehen.
  • Dazu gehört eine Portion Selbstbeherrschung, besonders dann, wenn er sieht, dass die Jugendlichen in die falsche Richtung laufen oder sie einen wichtigen Teil unbeachtet lassen. Selbst dann sollte nicht eingegriffen werden, sondern mit ihnen zusammen werden die Konsequenzen getragen.
  • Passive Gruppenleitung ist eine der schwierigsten Stile, in die man langsam hineinwachsen muss.
  • Eine wichtige Grundvoraussetzung ist es, dass der Leiter absolut mit der Aktion vertraut ist, die einzelnen Aktivitäten vollständig beherrscht (z.B. Wildwasserrafting, Klettern,…). Ist man in der Vorbereitung schon unsicher, sollte ein Fachmann hinzugezogen werden, um Risiko- und Gefahrenquellen zu vermeiden. Die Sicherheit der Gruppe hat höchste Priorität deshalb sollte man alle Sicherheitsmaßnahmen einhalten und vorher die Materialien (Seile, Helme, Gurte,…) auf ihre einwandfreie Sicherheit überprüfen.
  • Vor allem sollte man sich auf einen möglichen Unfall vorbereiten. Damit ist nicht nur ein Erste-Hilfe-Wissen gemeint, sondern man sollte in der Nähe eines Aktionsortes entweder ein Auto haben oder einen Anlaufpunkt wissen (Nachbarn, Bauern,…) – Handy!
  • Bei der inhaltlichen Vorbereitung muss der Pädagoge die Gruppensituation kennen und einschätzen können. Die von ihm gestellte Aufgabe muss von ihr gelöst werden können, und zwar ohne Über- oder Unterforderung und so, dass alle einen Teil zur Lösung beitragen können (Kraft, Intelligenz, Wahrnehmungsfähigkeit,…)

Theoretisches

… im Vorfeld sei gesagt: es handelt sich hier ausschließlich um inhaltliche Zusammenfassungen und nicht um wissenschaftliche Dissertationen für Studium und Forschung. Die dargestellten Informationen stammen aus der Ausbildung für Jugendgruppenleiter und sind eher für den „pädagogischen Nachwuchs“ relevant. Ich halte es für sehr wichtig, dass sich Gruppenleiter mit ihren Teilnehmern aktiv auseinandersetzen und sich auch theoretisches Hintergrundwissen aneignen. Schließlich fragt sich fast jeder irgendwann: „Warum spacken die Jungs / Mädels heute eigentlich so ´rum?“. Jedes Verhalten hat seine Herkunft und jeder Teilnehmer seine Geschichte…

 

Gruppen und Gruppenphasen

Definition von Gruppe

Die Soziologie definiert Gruppe als ein Zusammenschluss einer Anzahl von Personen, die regelmäßige, zeitlich relativ beständige Kontakte miteinander haben. Eine Gruppe ist ein für den Einzelnen überschaubares soziales Gebilde, das sich von anderen sozialen Gebilden (anderen Gruppen, der Gesamtgesellschaft) durch spezifische Merkmale abhebt. Eine Gruppe identifiziert sich durch

  • eine feste und begrenzte Anzahl von Personen, die sich
  • für einen bestimmten Zweck (wegen eines Zieles)
  • regelmäßig und persönlich trifft

Eine Gruppe braucht um auf Dauer zu bestehen und sich innerlich zu festigen einen Sinn, Zweck oder ein Ziel für ihr regelmäßiges Treffen. Eine Gruppe ohne Aufgabe entwickelt sich schnell zu einem losen Treffen und die Gruppenmitglieder verlieren ihr Interesse an der Gruppe und erscheinen nur noch unregelmäßig oder gar nicht zu den Gruppenstunden. Das Gruppenprogramm sollte die Interessen aller Mitglieder widerspiegeln.

Wichtigstes Gruppenmerkmal ist das Gefühl der Zusammengehörigkeit (Wir-Gefühl) aufgrund gemeinsamer Interessen und Ziele.

Gemeinsame Handlungen innerhalb der Gruppe und bewusst geplantes Handeln nach außen (Wir-Erlebnis) demonstrieren den Gruppenwillen. Gruppenanschauungen zur Abgrenzung nach außen zeigen sich in bestimmten Überzeugungen, wie sich die Gruppenmitglieder zu verhalten und wie sie zu handeln haben. Eigene Wertvorstellungen und Normen sowie die Identifikation mit Symbolen (z. B. Embleme, Wappen) fördern den Zusammenhalt (Gruppengeist). Sie dienen der Selbstbehauptung und im Extremfall der Abkapselung der eigenen Gruppe gegenüber Fremdgruppen. Gefühlsmäßige Bindungen der Gruppenmitglieder untereinander und gegenseitige Hilfsbereitschaft sind weitere Merkmale von sozialen Gruppen.

Die einzelnen Gruppenmitglieder besitzen üblicherweise mehr oder weniger abgegrenzte Positionen und Aufgaben, die mit bestimmten soziale Rollen (s.a. 4.) im Gruppengefüge verbunden sind. Die Erfüllung dieser Rollen und die Einhaltung der Gruppennormen unterliegen der Sozialen Kontrolle: Abweichendes Verhalten wird mit negativen, konformes Verhalten mit positiven Sanktionen belegt. Neben Gruppeninteressen und Solidarität kann ein gewisser Gruppendruck das Überleben einer Gruppe sichern und dem persönlichen Egoismus einzelner Gruppenmitglieder entgegenwirken. Je nach Intensität der Gruppendynamik entwickeln sich daraus Spannungen, die zu Konflikten innerhalb der Gruppe führen, oder zwischen rivalisierenden Gruppen wie bei Straßengangs Jugendlicher.

Bedeutung von Gruppe

  • Abhängigkeit von Eltern verliert an Bedeutung
  • eine Gruppe Gleichaltriger ist eine wirksame ,,Ich-Stütze„
  • liefert ein neues Bezugssystem und neue Normen
  • Wertvorstellungen außerhalb des Elternhauses werden gesucht, der Jugendliche bekräftigt sein eigenes Recht auf Selbstbestimmung
  • Gruppe von Gleichaltrigen dient als Bollwerk gegen die Autorität
  • Übungs- und Lernfeld
  • Die gemischtgeschlechtliche Gruppe bietet dem Jugendlichen in seiner Unsicherheit, Angst und Unbeholfenheit die Möglichkeit dem anderen Geschlecht zu begegnen
  • Übergang zwischen Kindheit und Erwachsensein wird stabilisiert
  • Sicherheit und Geborgenheit
  • Gruppe als Ort der Lösung von Konflikten und Problemen
  • Austausch über Sinn und Wert des Lebens (Glaube, Hoffnung, Liebe)

Chancen einer Gruppe

  • Die Gruppe ist ein wichtiger Bestandteil der Jungendarbeit. Sie ist der notwendige Rahmen, der es dem Jugendlichen ermöglicht, sich mit sich selbst und seiner Umwelt zu befassen und dazu Stellung zu nehmen.
  • Die Gruppe gibt dem Jugendlichen die Möglichkeit, seine Probleme, Erwartungen und Meinungen abzuklären
  • Gruppe ist ein Mittel um Kommunikation zwischen Jugendlichen aufzubauen
  • Die Integration in die Gruppe gibt dem Jugendlichen die Chance sozialen Lernens
  • Die Gruppe kann dem Jugendlichen helfen zu sich selbst zu finden
  • Die Gruppe kann dem Jugendlichen ein Halt in kritischen Lebensphasen sein
  • In der Gruppe lernt der Jugendliche Verantwortung für sich und andere zu übernehmen
  • Weiter bietet die Gruppe die Chance aktiv zu sein, Vertrauen und Zuneigung zu schenken und geschenkt zu bekommen und das Leben als sinnvoll anzusehen

Rollen in Gruppen

Es gibt verschiedene Rollen in Gruppen, die auf Grund der vielen Persönlichkeiten der Mitglieder entstehen. Gerade diese Unterschiedlichkeit kann zu einer konstruktiven Dynamik in einer Gruppe führen. Die unten genannten Rollen sind stark stilisiert, so fällt es leichter die einzelnen Rollen zu verstehen.

„Der Chef“:
kümmert sich um die Gruppe, will aber ständig im Mittelpunkt stehen. Er glaubt, er sei der Beste in der Gruppe. Er entscheidet ganz schnell für sich und andere. Er weiß um seine Rolle als Sprecher der Gruppe und macht davon Gebrauch schwächere Mitglieder zu stützen. Zweifelt jedoch ein Gruppenmitglied einmal an der Rolle des Chefs, so nutzt er seine physische und psychische Macht um das System wieder herzustellen.
Allerdings kann man sich auf den Chef hundertprozentig verlassen, er organisiert und unterstützt den Leiter, wo er nur kann. Er kann Verantwortung tragen und versucht alle Mitglieder der Gruppe einzubinden.

„Der Beschränkte“:
kann nur tun, was man ihm sagt. Er sagt zu Allem „Ja und Amen“ und manchmal glaubt man, dass er überhaupt kein Interesse an der Gruppe noch eine eigene Meinung vertritt. Allerdings sind diese Gruppenmitglieder unkompliziert, da sie alle Entscheidungen der Gruppe tragen. Er erledigt Aufgaben verantwortlich, wenn man ihm genaue Anweisungen gegeben hat.

„Der Fachmann“:
er ist der intelligente Kopf der Gruppe und manchmal auch Berater „des Chefs“. Er plant und überdenkt Gruppenaktivitäten bis ins kleinste Detail. Wenn die anderen Gruppenmitglieder nicht weiterwissen, holen sie sich Rat und Hilfe beim „Fachmann“. Dieser ist allerdings häufig Theoretiker und nicht unbedingt fürs praktische zu haben. Er überlegt bei Spielen genauso lange, wie bei wichtigen Entscheidungsprozessen. Der Satz „…aber das wird niemals klappen“ hört man bei ihm sehr häufig. „Fachmänner“ sind pessimistisch veranlagt und sind überfordert, sich aus dieser Lage zu befreien.
Auch Vorschläge und Entscheidungen der Leiter wagt der „Fachmann“ anzuzweifeln äußert dies auch uneingeschränkt. Aus dieser Rolle heraus besteht die Gefahr, dass der „Fachmann“ zum Besserwisser wird und dadurch seine positiven Vorzüge nicht mehr gesehen werden.

„Der Hilflose“ / „der Mitläufer“:
kann nichts alleine, trägt nie Verantwortung. Er geht manchmal gerne und manchmal weniger gerne zur Gruppenstunde. Wenn er da ist, macht er auch alle Aktionen mit, ohne zu Meutern. Er findest sowieso alles, was die anderen vorschlagen, klasse. Wenn die anderen aber sagen, sie finden die Aktionen blöd, dann findet er sie auch blöd. Er schließt sich schnell den Meinungen der Anderen an. Eigene Vorschläge macht er nicht. Er hat schon Kontakte zu anderen Gruppenmitgliedern, aber diese sind eher oberflächlich. Die richtigen Freunde hat er irgendwo außerhalb der Gruppe. Er nimmt die Aktionen kritiklos an und im Nachhinein findet er alle Aktionen TOLL. Richtig abgrenzen und differenzieren kann er sich nicht.

„Der Organisator“ / „das Arbeitspferd“:
er besorgt alles, was man braucht, auch das, was es nicht gibt. Als kleiner „McGyver“ unterstützt er die Gruppe auf seine Weise. Für ihn ist alles selbstverständlich und er erwartet kein Lob oder Dank der Gruppe (dies bekommt er sowieso nicht). Er opfert sich häufig auf und übernimmt unangenehme Aufgaben, wie z.B. die Toilettenreinigung freiwillig. So versucht er auf seine Weise Kontakt und Aufmerksamkeit zu erreichen. Dies gelingt leider selten. Die Gefahr, dass er von der Gruppe (aber auch unbewusst vom Gruppenleiter) ausgenutzt wird, ist sehr hoch.

„Der Clown“:
Er steht gerne im Mittelpunkt der Gruppe. Er ist laut, selten beim gerade bearbeiteten Thema dabei und hat nur Faxen im Kopf. Wird es ihm zu anstrengend mitzuarbeiten, versucht er auch andere davon zu überzeugen, dass Spaß haben viel interessanter ist. Dabei hat er die Lacher immer auf seiner Seite. Er ist meistens beliebt, denn er macht nicht nur Witze auf Kosten von anderen, auch über sich selber kann er lachen.
Für den Leiter ist er oftmals sehr schwer zu „ertragen“, für die Dynamik in der Gruppe ist ein „Clown“ allerdings unerlässlich.

„Der kein-Bock-Typ“:
macht nur mit, wenn er getreten wird und dann mit missmutiger Mine. Innerlich ist ihm das was in der Gruppe passiert zu hoch. Er weiß nicht, was die anderen von ihm wollen. Es ist ihm egal, ob die anderen ein Spiel spielen wollen, wenn er grade Lust hat, eine zu rauchen, dann geht er einfach. Bei Spielen oder bei Gesprächen denkt er nicht darüber nach, ob er jemanden verletzten könnte. Er wird schnell zum „Buhmann“ der Gruppe und für viele Dinge verantwortlich gemacht.

 

Bei den Rollen handelt es sich also nicht um zugeordnete, bzw. verliehene Aufgaben oder Titel, sondern vielmehr um die Zuordnung von Eigenschaften durch die Gruppe mit entsprechenden Erwartungen, die daraus resultieren. Entspricht einer den Erwartungen nicht, kommt es zu Störungen.

Wichtig ist zu bedenken, dass diese Typen sich meistens nur in der jeweiligen Gruppe wieder finden lassen. Eine Person „spielt“ mehrere Rollen, je auch Umfeld. So ist der „Chef“ vielleicht in der Schule der „Null-Bock-Typ“, genauso aber auch der „geliebte Sohn“, der „große Bruder“ oder der „Fachmann“ im Fußball-Verein.

Gruppenphasen

Jede Gruppe (nach obiger Definition) durchläuft verschiedene Phasen im Zusammenleben und in der Zusammenarbeit. Diese Phasen laufen stets gleich ab, die Länge bestimmter Phasen ist jedoch nicht vorhersagbar.

1. Anfangs- und Kennenlernphase
  • „Neugierig bin ich schon, aber lieber ein bisschen vorsichtig!“
  • Es besteht der Wunsch nach Kontakt
  • der Gruppenleiter ist Bezugsperson
  • anderen Gruppenmitgliedern gegenüber reagiert man zurückhaltend
  • Die Gruppenmitglieder verhalten sich noch unsicher
  • Es gibt noch kein Gemeinschaftsgefühl
  • Man prüft: „lohnt es sich, mit diesen Menschen zusammen etwas zu tun?“
  • Das „Ich“ – Denken herrscht vor
2. Machtkampf- und Kontrollphase:
  • „Wer bestimmt hier eigentlich“
  • Rivalität steht im Vordergrund
  • es bilden sich Sympathien und Aggressionen
  • der Gruppenleiter wird in den ,,Kampf„ mit hineingezogen
  • Es wird von den Gruppenmitgliedern eine Rangordnung in der Gruppe erkämpft.
  • „Ich“- Denken ist immer noch im Vordergrund
  • Beziehungen sind noch nicht stabil
  • Eigene Rolle in der Gruppe finden
3. Vertrauensphase:
  • „Wir gehören zusammen“
  • Stärken und Schwächen der einzelnen sind bekannt und werden toleriert
  • das ,,Wir-Gefühl„ kommt auf
  • Aktionen einzelner Mitglieder kommen der ganzen Gruppe zugute
  • Zahl der TN ist stabil geworden
  • GL als Vorbild
4. Gruppenabgrenzung:
  • „Jeder in unserer Gruppe ist wichtig und hilft mit!“
  • Deutliche Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen
  • die Gruppe ist in sich stabil und zu großen Leistungen fähig
  • In der weiteren Entwicklung ist auch der Kontakt zu anderen Gruppen möglich.
  • „Das sind wir und das sind die Anderen!“
  • nun sind selbstständige und längerfristige Planungen möglich
  • Identifizierung durch Symbole
  • Höhepunkt des Gruppenprozesses
  • Leiter kann Aufgaben verteilen
5. Auflösungsphase:
  • „Schade, dass es nicht immer so weitergeht“
  • Es wachsen Gefühle gegen die Trennung
  • die Bedürfnisse sind gesättigt / Interesse verebbt
  • es kommt zur Auflösung der Gruppe
  • man spricht viel davon, wie es damals war
  • das Ziel ist erreicht
  • „Trauerarbeit“ für den Leiter